Bild in Bild

»Nicht-Bilder« und individuelle Kommunikation

Neulich las ich auf der Webseite einer großen deutschen Tageszeitung einen Artikel, als ich plötzlich stoppen musste. Es war nicht der Inhalt der mich unterbrach, sondern das verwendete Titelbild des Beitrags: »Huch?, das kennst du doch irgendwoher!?«, hörte ich eine leise Stimme in mir sagen… Ich hatte genau dieses Bild schon mehrfach im Netz gesehen. Das Foto zeigte den Hinterkopf einer jungen Person und stammte von einer der vielen kostenlosen Bilddatenbanken, wie »Pexels« und »unsplash«, die hochaufgelöste Fotografenbilder für lau ins Netz stellen.

Als Designer sollte man eigentlich froh sein über solche Portale. Denn im Laufe eines Layoutprozesses braucht man immer wieder Platzhalter, um Entwürfe mit Leben zu füllen. Besonders wenn es dem Kunden an Vorstellungsvermögen fehlt. Nur in den wenigsten Fällen schaffen es die Beispielbilder dann in das finale Layout. Und wenn aus der Not eine Tugend wird?

Das Netz ist voll mit »Nicht-Bildern«

»Nicht-Bilder« haben keinen inhaltlichen Mehrwert und sind problemlos austauschbar. Aus gestalterischer Sicht zeichnet sich eine gute Bebilderung dadurch aus, dass zwischen Bild und Text eine Spannung herrscht. Es entsteht eine Art Deutungsraum. Fehlt dieser, ist das Bild redundant. Man könnte es ebensogut weglassen. Ein gutes Beispiel für Austauschbarkeit sind die zuletzt vielfach produzierten Vignettenspots, die man sich auf vignetteroulette.com wahlweise mit dem Ton andere Spots ansehen kann.

Stattdessen ganz auf Bilder zu verzichten widerspricht jedoch dem Nutzerverhalten im Netz. Beiträge ohne Bild werden weniger angeklickt als bebilderte. Da kann man als Online-Redakteur schnell in die Versuchung kommen noch »irgendein« Bild rauszusuchen, dass »irgendwie« zum Text passt. Es wundert mich, dass eine große Tageszeitung, aber auch viele andere Unternehmen in der Kommunikation so wenig Wert auf Originalität legen. So begegnet man den selben Bildern wieder und wieder. Da sind Fettnäpfchen vorprogrammiert.

Wahlkampfpatzer

Das man mit dieser Taktik am Ziel vorbei schießen kann, durfte jüngst eine Abgeordnete der Grünen feststellen, als die AFD mit dem selben kostenlosen Bild gegen die aktuelle Asylpolitik wetterte:

Oder 2013 die FDP mit ihrem Werbespot zur Bundestagswahl. Sie hatten aus Versehen das selbe Stock-Material verwendet wie die NPD in ihrem Spot.

Originale: Eine Zukunft für Bilderfinder

Der Trend für »Nicht-Bilder« wird zukünftig sicherlich noch stärker zu spüren sein. Um dem entgegenzuwirken sind vor allem Gestalter gefragt. Wir brauchen mehr Individuelle Kommunikation in der Medienwelt. Mehr Illustration, mehr künstlerische Fotografie! Lieber mal einen Freelancer anheuern, als ein weiteres weichgespültes Stockfoto zu verwenden. So gibt es in Zukunft mehr Vielfalt statt Einheitsbrei.

Ich würde mich freuen eure Gedanken in den Kommentaren zu lesen! Wenn euch mein Blog gefällt, dann teilt auch gerne den Beitrag oder abonniert den RSS-Feed. 

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